Kürzlich hat unser Fraktionsvorsitzender Walter Langer dem Friesländer Boten ein Interview zum Thema Seniorenpolitik in Varel gegeben. Darin erläutert er, wie integrative Seniorenarbeit aussehen kann und warum der Seniorenpass nicht die einzige politische Initiative sein darf.

Walter Langer (Foto:Friebo)
Anke Kück fragte bei Walter Langer nach, was gegen den Seniorenpass in der herkömmlichen Form einzuwenden sei:
Walter Langer: Ich will den Pass gar nicht schlecht reden, aber eine qualifizierte Seniorenarbeit ist etwas anderes. In Varel hat die SPD 20 Jahre lang geschlafen und nicht gehandelt. Das Argument war immer: ‚Wir haben doch unseren Seniorenpass‘. Erst das langjährige Bohren der damaligen Opposition hat dazu geführt, dass wir heute einen Seniorenbeauftragten haben und über Besuchsdienste sprechen. Seniorenarbeit ist für mich ein ‚urgrünes‘ Thema und liegt mir persönlich sehr am Herzen. Ich bin froh, dass der Bürgermeister und die Verwaltung das Thema aufgenommen haben.
Was sollte also getan werden?
Walter Langer: Der Demografische Wandel und die Tatsache, dass unsere Gesellschaft immer älter wird, sind mir völlig bewusst. Diese Tatsache gibt uns vielschichtige Themen auf: Die Stadtplanung muss sich mit veränderten Bedürfnissen beim Wohnraum, der Mobilität oder den Versorgungsstrukturen befassen. Seit Jahren entwickelt sich unsere Gesellschaft immer mehr zum Ein-Personen-Haushalt. Familie verändert sich, oft haben ältere Menschen keine Angehörigen, die vor Ort wohnen. Das birgt viele Probleme und da müssen wir handeln.
Zugleich haben Senioren sehr viele Potential. Wir können viel von älteren Menschen lernen. Ich nenne Schlagwort wie Jobpaten, Leselernhelfer, Heimatgeschichte, Seniorenbetreuer in Betrieben oder Nachbarschaftshilfe bei der Betreuung von Kindern. Von wem können junge Menschen besser Werte und Normen lernen als von der älteren Generation?Wo sehen sie die größten Probleme?
Walter Langer: Im sozialen Bereich. Es gibt viele Senioren, die wenig materiellen Hintergrund haben. Gerade alleinstehende Frauen sind manchmal nicht in der Lage, sich die Grundsicherung zu beschaffen und brauchen Beratung. Auch mit Blick auf die Gefahr der Vereinsamung ist Handeln gefordert, man muss die Menschen zur Teilhabe am Leben einladen und sie ihnen auch ermöglichen. Ein Besuchsdienst ist eine Möglichkeit und hilft manchmal auch vorbeugend beim Thema Demenz. Das kann teilweise ehrenamtlich geleistet werden, verlangt aber professionelle Begleitung.Was würden Sie gerne ändern, wenn sie auf die städtischen Finanzen keine Rücksicht nehmen müssten?
Walter Langer: Wichtig sind für mich gemeinsame Wohnformen für Alt und Jung, Stichwort Mehrgenerationhäuser. Es sollte mehr Angebote für ältere Menschen geben. Das könnten Tanz- oder Theatergruppen sein, Internetkurse, Infoveranstaltung zu Hilfsmitteln oder sportliche Aktivitäten. Lebenslanges Lernen muss möglich sein. Es gibt in Varel schon Vieles, aber es müsste besser vernetzt und noch besser bekannt sein. Dazu gehört auch, sich über das zu informieren, was in anderen Städten und Gemeinden schon erfolgreich eingeführt wurde.
Vorstellen könnte ich mir mehr Einfluss auf die Politik in Form eines Seniorenbeirates. Es geht nicht darum, einmal im Jahr mit einer Kaffeefahrt etwas Dankbarkeit zu zeigen, sondern darum, die Senioren in unsere Gesellschaft einzuladen und das Potential und die Weisheit des Alters zu nutzen.









